Über den Ursprung des Begriffs streiten sich Sprachwissenschaftler und Kirchengeschichtler bereits seit Jahrhunderten
“Maundy Thursday” heißt der Tag im Englischen, “Donnerstag der Fußwaschung”. In Holland sprechen die Menschen vom “Witte Donderdag”, dem “Weißen Donnerstag”. In Spanien und Italien ist es der “Heilige Donnerstag”, in Skandinavien der “Schnitterdonnerstag”, der ebenfalls an die reinigende Fußwaschung erinnern soll, in Polen der “Große Donnerstag”. Die Rede ist vom Donnerstag vor Ostern, dem “Gründonnerstag”, wie er nur in Deutschland und Tschechien heißt: Ob dieser Tag jedoch tatsächlich etwas mit der Farbe Grün zu tun hat, darüber gehen die Meinungen der Sprachwissenschaftler und Kirchengeschichtler auseinander.
Die häufigste Erklärung für das Grün im Namen dieses Tages kommt ganz ohne Farbe aus: Am Abend dieses Tages beginnt das Gedenken an die Leidenszeit Jesu. Es liegt also der Schluss auf das heute kaum noch gebräuchliche Wort “Greinen” nahe, das Weinen und Klagen bedeutet, wie etwa in dem von dem Theologen Hans-Helmar Auel herausgegebenen Buch “Unentdeckte Feiertage” erklärt wird. Das Wort geht auf das mittelhochdeutsche “grînen” zurück, und der “grîne” Donnerstag habe sich im Lauf der Jahrhunderte in der Überlieferung zum Gründonnerstag entwickelt.
Dagegen spricht jedoch, dass der Tag vor Karfreitag in der Tradition des Christentums eigentlich gar kein Trauertag war, sondern der Tag, an dem die am Aschermittwoch aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossenen Büßer öffentlich wieder aufgenommen wurden, “als frisch grünende Zweige am Baum der Kirche”, wie es in Auels Buch heißt. Hier haben wir also bereits die zweite mögliche Erklärung für das Grün im Gründonnerstag. Dieser Zusammenhang mit der Buße findet sich auch im lateinischen Begriff “dies viridium” wieder, der “grüner Tag” bedeutet. “Virides”, Grüne, waren dabei die Büßer, die sich von ihren Vergehen losgesprochen hatten.
Doch es folgen noch weitere Erklärungen: Unter anderem im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm wird von dem jahrhundertealten Brauch erzählt, am Gründonnerstag frische, grüne Kräuter und grünes Gemüse zu essen – ein Brauch, der möglicherweise auf vorchristliche Traditionen zurückgeht, mit denen die segensreiche Kräfte des Frühlings geweckt werden sollten. In manchen Regionen sind für dieses Essen Rezepte verbreitet, die mit siebenerlei, neunerlei oder gar zwölferlei Kräutern zubereitet werden und Gesundheit für das ganze Jahr bringen sollen. Auch soll der Ausruf “Ach du grüne Neune!” auf diese Tradition zurückgehen. Die Bräuche vom grünen Essen am Gründonnerstag könnten jedoch auch erst entstanden sein, nachdem der Gründonnerstag bereits zu seinem Namen gekommen war.
Die vierte und letzte Erklärung für das Grün im Gründonnerstag schließlich stützt sich auf Überlieferungen, nach denen Grün in einigen Regionen bis in 16. Jahrhundert hinein am Gründonnerstag als liturgische Farbe im Gottesdienst genutzt wurde. Heute ist hingegen in der katholischen Kirche durchweg Weiß entsprechende liturgische Farbe.
